Irmi Pichelkastner

Jetzt zu unserem 20-jährigen Jubiläum der Tanzschule Rythmove werde ich immer wieder gefragt, wie es sich eigentlich entwickelte, dass ich mein Leben voll und ganz dem Tanz widmete.
Schließlich war ich nach dem 2. Staatsexamen in sicherer Verbeamtung als Lehrer an Münchner Schulen zunächst sehr glücklich, diesen Status gibt man nicht so leicht auf.

In München geboren wuchs ich mit Musik auf, mit der großen Musikalität des Vaters gesegnet.
Er spielte nahezu jedes Instrument ohne Noten und ohne jeglichen Unterricht. Die Mutter wollte sich als Schneiderin selbstständig machen, dazu kam es erst, als wir jedes Jahr für unsere Schulaufführung hunderte Kostüme brauchten.

Schon als Kind tanzte ich durch die Wohnung

Schon als kleines Kind konnte ich nur durch die Wohnung tanzen und drehen, jede freie Minute verbrachte ich am Radio und vor dem Spiegel. Tanzunterricht war finanziell nicht immer so eine einfache Angelegenheit wie heute und die Ausbildung für einen “anständigen” Beruf ging vor.
Mein Wunsch mit Kindern zu arbeiten war klar. Das Pädagogikstudium und Sport ließ mir Gott sei Dank immer Zeit für meine Leidenschaft zum Tanz und für regelmäßige Kurse in vielen Tanzschulen Münchens. Natürlich lag mein Hauptinteresse an der Universität auch dem Sport und der Musik.
Nach dem 2. Staatsexamen musste ich nun schnell erfahren, wie sehr das Kind in unseren Schulen auf den kognitiven Bereich seiner Leistungen reduziert wird, wie sehr der Druck des Lehrplans und auch der Eltern, auf das Ergebnis und die Noten in den “wichtigen Fächern” ausgerichtet ist. Kreativität, Dynamik und körperliche Entfaltung finden im Unterricht nur wenig Platz, oft fällt gerade der Musik-und Sportunterricht aus.

Gerade in dieser Zeit perfektionierte ich meine Flamencoausbildung bei Gonzales Reyes( 15 Jahre blieb ich seinen Kursen treu)und konnte großes Selbstwertgefühl, eine selbstbewusste Haltung und festes Auftreten in den Alltag mitnehmen.

Ich war auch in der Jugend ein eher schüchterner Mensch. Die vielen Auftritte, Fortschritte und die neue Körperwahrnehmung bestärkten mich dem Wunsch, dieses wundervolle Gefühl an andere weiterzugeben und meine Idee:

Mit Kindern arbeiten ja, unbedingt! Die einseitige Belastung und rein kognitive Förderung in der Schule, nein!

1984 lernte ich meinen Mann kennen und erfuhr wieder eine deutliche Entwicklung. Er hatte sein Diplom in Betriebswirtschaft gerade abgeschlossen und war sich über seinen weiteren Weg nicht sicher. Auch seine Eltern befürworteten einen akademischen Werdegang und übersahen sein großes Talent.
Manuel spielt fantastisch Gitarre, beherrscht viele andere Instrumente und Musik ist seine Leidenschaft. Wir wussten beide, dass das Leben noch mehr für uns bereithält.

Als 1988 und 1992 unsere Kinder Amelie und Luis geboren wurden, saß ich nun als Grundschullehrer schnell auf der anderen Seite des Pultes und musste mir die Kritik über den Bewegungsdrang meiner Kinder anhören.
Der Entschluss stand fest, ich kündigte nach fast 10 Jahren meinen Schuldienst und schloss bei Jessica Iwanson die tanzpädagogische Ausbildung erfolgreich ab!

1996 betanzten wir einen 100-qm-Spiegelsaal im Dukatenweg in Trudering und das Programm wurde auch von den Erwachsenen schnell aufgenommen und genutzt. Zunächst unterrichtete ich alle Kurse selbst, bald brauchte ich aber für Break Dance, Yoga und einige andere Unterrichtseinheiten Hilfe, dementsprechend ausgebildete Lehrer.
Schließlich sollten nur qualifizierte Trainer mit meinen Kunden arbeiten und auf die Auswahl meiner mittlerweile 14 Mitarbeiter bin ich bis heute besonders stolz.
Natürlich ist die Professionalität in den einzelnen Stilrichtungen Voraussetzung, um im Rythmove zu arbeiten.

Noch wichtiger ist jedoch die pädagogische Erfahrung und das Feingefühl für die entsprechenden Alterskassen und Niveaus.
Nicht immer motiviert ein großer Bühnentänzer auch automatisch den Hobbytänzer. Die Motivation ist gerade in den Gruppen mit Erwachsenen eine große Herausforderung.
Wie wunderbar war es nun für mich zu sehen, dass sich jede Person, jeden Alters, von der Musik verführen lässt, den Alltag vergisst und diese einzigartige Leidenschaft entwickeln kann. Bald war ich bestätigt:

Nicht nur ich bin ein begeisterter Tänzer!
In jedem steckt diese Lust zur Bewegung und wird oft nur durch Scham, Unsicherheit und mangelnde Gelegenheiten vergessen.

Bei uns Tanzen 3 und 73 Jährige

In unserer Tanzschule arbeitet das Team genau an dieser Hemmschwelle so erfolgreich. Jung und Alt halten sich ganz nebenbei auch noch gesund und fit.
Bei uns tanzen 3 Jährige und 73 jährige!!!

Bald wurde es im Dukatenweg eng und wir erweiterten in der Scheibmeirstrasse auf 500qm.

Das Hobby zum Beruf machen, wer träumt nicht davon? Ich habe mit Hilfe der gesamten Familie den Schritt gewagt. Mein Mann hat die musische Leitung übernommen, meine Tochter unterrichtet seit sie ihr Diplom an der Hochschule für Musik und Theater abgeschlossen hat, die klassischen Balletteleven.

Ich widme mich nun immer mehr den gesundheitsbezogenen Kursen, den Gymnastik- und Aerobickursen, der Herzkreislaufstärkung und der Kräftigung der Muskulatur.
Natürlich immer mit Musik und kleinen Choreografien zur Förderung der Koordinationsfähigkeit.

Meine Lieblingsstunden bleiben die Pre Ballett Klassen mit den kleinen Tanzmäusen. Tanzen mit Kindern ohne Bewertung und Leistungsdruck. Die motivierende Musik beflügelt oft gerade die Kids, die in der Schule Schwierigkeiten haben. Körper, Geist und Seele sind im Fluss und der Heranwachsende entfaltet dynamisch und spielerisch seine musischen und sportlichen Fähigkeiten.
Die Auftritte auf großer Bühne vor hunderten von Zuschauern gibt den jungen Tänzern ein stabiles Selbstbewusstsein und eine sichere Ausstrahlung.

Beobachte ich die kleinen Füße und Arme im Takt der Musik, dann weiß ich:

Ich habe alles richtig gemacht.